Telemedizinische Systeme > Produktupdate "VitaGuard"
Markterfolg
Seit über 25 Jahren entwickelt, produziert und vertreibt die getemed AG Medizinprodukte im Bereich Vitalfunktionsmonitoring von Risikopatienten aller Altersgruppen und in Segmenten der kardiologischen Diagnostik. Derzeit befinden sich etwa 30.000 Monitore der Produktreihe VitaGuard® europaweit im Einsatz – sowohl in der klinischen Forschung als auch im Routineeinsatz. Speziell für das Home Monitoring von Neugeborenen ist das Unternehmen mittlerweile europäischer Marktführer.
Infolge der wachsenden Bedeutung der Telemedizin für die medizinische Versorgung erhöht sich die Nachfrage nach Telemonitoringsystemen. Bereits zu Beginn der entsprechenden Studie 2003 in Zusammenarbeit mit dem Klinikum Brandenburg an der Havel erwiesen sich die VitaGuard® -Monitore hierbei als sehr geeignet. Aufgrund der positiven Annahme der telemedizinischen Versorgung durch die Patienten verlief die Studie mehr als erfolgreich. Die VitaGuard®- Monitore konnten sich im täglichen Routineeinsatz und in klinischen Studien bewähren.
Gerade am Beispiel Brandenburg lässt sich der notwendige Einsatz von telemedizinischen Systemen hervorragend demonstrieren. Die Versorgung mit Allgemeinärzten ist in fast allen Kreisen Brandenburgs als noch ausreichend zu bewerten, allerdings liegt auch hier der Anteil der über 50-jährigen Ärzten bei mehr als 55 Prozent (1). Kernproblem der Gesundheitsversorgung ist letztlich die fehlende ambulante Facharztversorgung, sowohl im Bereich der Kardiologie als auch in anderen Fachbereichen.
Dem Herzbericht 2007 (2) ist zu entnehmen, dass bei den Sterbeziffern für den Herzinfarkt, also den gestorbenen pro 100.000 Einwohner, es in Deutschland große regionale Unterschiede gibt. Mit 23 ist sie unangefochten am niedrigsten in Berlin; in Brandenburg liegt sie bereits bei 106. Das zeigt, dass die gesundheitliche Versorgung im ländlichen Raum zu einem immer größeren Problem wird. Kleine Krankenhäuser stehen unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen unter besonderem wirtschaftlichem Druck, aber auch die großen Häuser müssen immer wieder nach neuen effizienten Wegen der Wirtschaftlichkeit suchen. Hieraus ergibt sich eindeutig die Notwendigkeit neuer Versorgungsformen unter der Einbeziehung von Produkt- und Prozessinnovationen. An dieser Stelle setzt die Telemedizin an, mit deren Einsatz die Haus- und Fachärzte bei ihrer täglichen Arbeit unterstützt werden sollen.
Somit bietet sich auch auf längere Sicht ein wachsender Markt für die VitaGuard®-Produktreihe mit Telemedizinfunktionalität.
Hemmnisse
Neue Behandlungsverfahren etablieren sich meist nur sehr verzögert im System der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Wirksamkeit und Kosteneffizienz neuer Methoden werden zunächst in einem langwierigen Verfahren geprüft, bis dann über die Aufnahme in den Leistungskatalog entschieden wird. Somit wird die Nachfrage durch unklare Finanzierungsbedingungen noch gebremst und erschwert. Grundsätzlich gilt, dass es von der einzelnen Krankenkasse abhängt, welche Kosten für welche telemedizinischen Verfahren getragen werden. Eine standardisierte Kostenübernahme, vergleichbar zur Verordnung von Medikamenten, existiert noch nicht. Sie obliegt den Krankenkassen im Rahmen des SGB V als Möglichkeit der individuellen Einzelfallentscheidung.
Treiber
Auf dem Gebiet der Telemedizin sind die Vorteile einer Vielzahl an Verfahren nicht mehr von der Hand zu weisen. Die Patienten haben diese erkannt, so dass Telemonitoringsysteme in der Gesellschaft zunehmende Akzeptanz finden. Dass der Telemedizinbereich sich als ein wachsender und zukunftsorientierter Markt etabliert, ist nicht nur auf die positive Berichterstattung in den Medien zurückzuführen. Eine Vielzahl an Telemedizin-Projekten werden von Krankenkassen, Verbänden und (Bundes-) Ministerien unterstützt oder initiiert. Diese Förderung zeigt inzwischen das grundsätzliche Interesse der Kassen an dem Einsatz telemedizinischer Verfahren.
Kosten-/Nutzen-Analyse
Die Angaben zur Kosten-/Nutzenanalyse wurden dahingehend übertroffen, dass sich die Anzahl der Herzinsuffizienzpatienten, die vollstationär in einem Krankenhaus behandelt werden mussten, deutlich erhöht hat. Mussten im Jahr 2005 noch 271.526 Herzinsuffizienzpatienten in einem Krankenhaus vollstationär behandelt werden, so waren es im Jahr 2007 laut Statistischem Bundesamt bereits 335.191 Patienten. Insbesondere die kardiovaskulären Erkrankungen gehören mittlerweile in den westlichen Industrienationen zu den häufigsten Erkrankungs- und Todesursachen (3). Weil zum einen die Bevölkerung zunehmend älter wird und zum anderen die therapeutische Behandlung von Herzerkrankungen, insbesondere die des akuten Herzinfarkts, sich immens verbessert hat, kommt es zu einem rapiden Anstieg der Anzahl von Patienten mit Herzinsuffizienz. Rund 1,8 Mio. Menschen in Deutschland sind von dieser Krankheit betroffen (4).
Allein in Europa dürfte die Zahl herzinsuffizienter Patienten mehr als 10 Millionen betragen. Unter Berücksichtigung dieser Zahlen sind die Behandlungskosten zu betrachten. Anhand der aktuell gültigen Tabellen zur Abrechnung gemäß den DRGs liegt die durchschnittliche Verweildauer eines herzinsuffizienten Patienten mit Komorbiditäten (ProdDRG F62A) bei 14 Tagen. Bei mittleren Tageskosten in Höhe von € 419,- (5) ergibt sich bei diesen Patienten somit pro Krankenhausaufenthalt eine Summe von rund € 5.866,-. Da diese bereits höher als der DRG-Fallpauschalbetrag ist (siehe Abbildung 1), verursachen alle Patienten, die länger als zehn Tage stationär behandelt werden müssen, einen wirtschaftlichen Verlust für die Klinik. Hierbei sind Kosten für die häufig erforderliche weiterführende invasive Diagnostik noch nicht eingerechnet. Somit entstehen infolge der Hospitalisierung Kosten in Höhe von deutlich über € 6.000,--, die von den Krankenkassen übernommen werden müssen.

Abbildung 1: DRG-Verlaufsgrafik für die F62A Herzinsuffizienzgruppe (6)
Da Patienten mit Komorbiditäten (Koronare Herzkrankheit, arterieller Hypertonus, akute und chronische Niereninsuffizienz, Diabetes mellitus, periphere arterielle Verschlusskrankheit, chronisch-obstruktive Lungenerkrankung um nur die häufigsten zu nennen) die überwiegende Mehrzahl ausmachen, ist im Sinne einer realistischen Kosteneinschätzung deren Zugrundelegung bei der Kalkulation sinnvoll. Aber selbst bei den wenigen Patienten, die tatsächlich keine Begleiterkrankungen aufweisen, sind bei einer durchschnittlichen Verweildauer von 9,1 Tagen (7) unter Berücksichtigung der invasiven Diagnostik schnell Kosten in Höhe von € 3.000,-- überschritten. Des Weiteren können durch Immobilisation bedingte Komplikationen (Tiefe Beinvenenthrombose, Dekubitus u.a.) zusätzlich erhebliche Kosten verursachen. Legt man letztlich zugrunde, dass die beschriebenen Patienten ca. dreimal pro Jahr hospitalisiert werden müssen, ergeben sich allein für den stationären Bereich Kosten in Höhe von ca. € 12.000,- bis € 18.000,- bei konservativer Schätzung ohne Entwicklung von Komplikationen. Laut Krankenhaus-Report 2005 konnte bereits belegt werden, dass Telemedizin hilft, beträchtliche Kosten einzusparen. Vor dem Hintergrund, dass sich die Zahl der vollstationär behandelten Herzinsuffizienzpatienten erhöht hat, wird die Notwendigkeit von Telemedizinsystemen erneut unterstrichen.
Alternative Verfahren
Alternative Produkte zur VitaGuard®- Reihe gibt es nicht, aber ergänzende Angebote: PhysioMem® : Aktuell arbeiten Partner aus Wissenschaft, Industrie und Krankenkassen gemeinsam für das Forschungsprojekt „Partnership for the Heart“ (8) an einem telemedizinischen Monitoring-System. Das Projekt steht unter der Leitung des Oberarzt Dr. Friedrich Köhler der Berliner Charité. Die Studie soll den Nutzen des Telemonitorings wissenschaftlich belegen. Die getemed AG hat speziell für diese Studie den PhysioMem® PM 1000 entwickelt. Dieses handliche Gerät überträgt sowohl eine zweiminütige Einzelmessung als auch für kritische Situationen eine Dauermessung, bei welcher der Arzt im „Online Viewer“, also in „Echt-Zeit“, die Vitalparameter des Patienten auf seinem Bildschirm sehen kann. Hierfür werden dem Patienten vier Klebeelektroden angelegt. Die Sauerstoffsättigung des arteriellen Blutes wie auch die Pulsrate werden mit einem Fingersensor gemessen. Die Daten werden drahtlos mit Bluetooth®-Technologie vom PhysioMem® an einen PDA gesendet, von diesem in verschlüsselter Form mit Mobilfunktechnologie an das Telemedizinzentrum und dort in einer elektronischen Patientenakte gespeichert. Für eine Einzelmessung legt der Patient den PhysioMem® auf den Brustkorb, woraufhin vier ins Gehäuse integrierte Edelstahl-Elektroden das 3-Kanal-EKG ableiten.

Abbildung 2: PhysioMem® mit Ladestation
Sonstige Neuerungen
Es gibt keine weiteren Änderungen des bisherigen Produktbeispiels.
Quellenangaben:
[1] Bedarfsplanung der KVBB, Stand 31.12.2007; http://www.kvbb.de; Dokument: 071231_alter_ohv.pdf, Dokument: 071231_alter_hvl.pdf, Dokument: 071231_alter_pr.pdf, Dokument: 071231_alter_opr.pdf
[2] Ernst Bruckenberger; Herzbericht 2007, ISBN 978-3-00-025373-7, 2007
[3] Gerd Herold; Innere Medizin, Herold-Verlag, München, 2007
[4] Benjamin Homberg; 1,8 Mio. Patienten mit Herzinsuffizienz chronisch unterversorgt; in: Jäckel (Hrsg.), Telemedizinführer Deutschland, Ober-Mörlen, Ausgabe 2007, 275-277, 2007
[5] Statistisches Bundesamt; Gesundheitsberichterstattung des Bundes 2008;
[6] Medizincontrolling / DRG Research Group; Universitätsklinikum Münster
[7] Siehe Endnote 6
[8] “Partnership for the Heart” Website: http://www.partnership-for-the-heart.de
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